Strukturförderungen

CaDiFa - Caritasdienste in der Flüchtlingsarbeit Ehrenamtsbegleitung durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit

Um was geht es in der Strukturförderung?

Mit den "Caritas-Diensten in der Flüchtlingsarbeit" (kurz: CaDiFa) setzen sich Kirche und verbandliche Caritas für eine offene Gesellschaft ein. Eine Gesellschaft, in der alle Menschen ihren Platz haben und alle teilhaben am Leben, am Miteinander und den Aktivitäten vor Ort. Unsere Vision ist es, die Lebenssituation von geflüchteten Menschen zu verbessern und die Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind und Zuflucht in unserer Diözese suchen, zu unterstützen und sie langfristig daran zu beteiligen, die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Ehrenamtlich Tätige haben an der Verwirklichung dieses Ziels einen unschätzbar großen Anteil. Durch ihren Einsatz helfen sie, das Sich-Fremd-Fühlen bei Neuankömmlingen abzubauen, Barrieren zwischen den Menschen zu überwinden und eine offene und tolerante Gesellschaft mitzugestalten.

Seit 2014 hat sich CaDiFa mit seinem Konzept der Ehrenamtsbegleitung in der Flüchtlingsarbeit in allen neun Caritas-Regionen an vielen Standorten der Diözese Rottenburg-Stuttgart als erfolgreiches und nachahmenswertes Modell etabliert.

Dabei ging es in CaDiFa nicht um die direkte Sozialarbeit mit Geflüchteten sondern um die Begleitung, Vernetzung und Qualifizierung ehrenamtlicher Initiativen für Geflüchtete in den kirchlichen und kommunalen Gemeinden. Die hauptamtlichen Mitarbeitenden der Caritas koordinieren Projekte und Ehrenamtliche, die in diesem Bereich tätig sind.

Was ist das Besondere / Herausragende an dem Vorhaben?

Das Vorhaben CaDiFa, zeichnet sich durch mehrere Besonderheiten aus.

Der Dienst der Begleitung Ehrenamtlicher in der Arbeit mit Geflüchteten, wird in allen neun Caritas-Regionen der Diözese Rottenburg-Stuttgart angeboten. CaDiFa wird seit 2014 durch den Zweckerfüllungsfonds gefördert. Dies hat zur Folge, dass in den letzten Jahren eine hervorragende Expertise im Bereich Flucht /Asyl und insbesondere im Sektor der ehrenamtlichen Tätigkeit in diesem Feld gewonnen und eingesetzt werden konnte. Hierbei sind verschiedenste modellhafte Projekte entstanden (z.B. Patenschaftsprojekte, bundesweites Netzwerk zur Beratung von Familiennachzügen, Lernwerkstätten, Begegnungstreffs, etc.)

Die Erfahrungen der Mitarbeiter*innen in den unterschiedlichen Stadien der Aufnahme von Asylsuchenden, die gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfer*innen und den Geflüchteten selbst, erzielt wurden (Ankunft, Erstorientierung, Ankommen, erste Schritte der Integration, Familienzusammenführung, Integration), ermöglichen nun Impulse in eine neue Richtung der Flüchtlingsarbeit zu geben und Einfluss auf den gesellschaftlichen Diskurs zu nehmen.

Zukünftig im Fokus steht dabei das Konzept der Sozialraumorientierung, welches die weitere Inklusion von Geflüchteten zum Ziel hat. Die Zusammenführung verschiedenster Akteure des sozialen Raums zur thematischen Bearbeitung von Interessen und Bedürfnissen steht dabei im Vordergrund.

PROJEKTORT: 
       Flächendeckend in der gesamten Diözese Rottenburg-Suttgart

PROJEKTZIELE:

  • Die individuelle und strukturelle Arbeit von Ehrenamtlichen bleibt erhalten und neue Ehrenamtliche, Geflüchtete und zivilgesellschaftliche Akteure werden akquiriert
  • Fachwissen bzgl. Integrationsthemen wird an Ehrenamtliche und Geflüchtete vermittelt
  • Geflüchtete und Helfer*innen werden in ihrer Autonomie und Selbstbestimmung gestärkt
  • Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Regeldiensten und engagierten Ehrenamtlichen wird gefördert

ZIELGRUPPEN:
       Ehrenamtliche/zivilgesellschaftliche Akteure in der Arbeit mit Geflüchteten

PROJEKTTRÄGER:
       Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V.

 

Verbundprojekt Psychotherapeutische und psychosoziale Hilfen für psychisch belastete und traumatisierte Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Fluchterfahrungen im Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Um was geht es in der Strukturförderung?

Vorrangig geht es in dem Verbundprojekt um die Verbesserung der psychotherapeutischen und psychosozialen Versorgungssituation traumatisierter geflüchteter Menschen im Diözesangebiet. Mit den Strukturfördermitteln des Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfen war es im Jahr 2018 möglich, die Versorgungskapazitäten der Projektpartner in der psychotherapeutischen und psychosozialen Behandlung traumatisierter geflüchteter Menschen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) zu verbessern. 2018 konnten mit den Mitteln 195 KlientInnen Einzelfallhilfen und Gruppenangebote erhalten. Diese Hilfen erfolgen in ca. 70% aller Fälle dolmetschergestützt. Ein dolmetschergestütztes Setting ist eine notwendige Voraussetzung für die psychosoziale und psychotherapeutische Arbeit mit traumatisierten Klienten mit Fluchterfahrung, und das Fehlen von Dolmetschern im Gesundheitswesen in Deutschland  ein entscheidender Grund dafür , weshalb diese Menschen im regulären Gesundheitssystems nicht aufgefangen werden können.

Neben Einzelfallhilfen und Gruppenangeboten ist es uns ein wichtiges Anliegen, haupt- und ehrenamtliche Unterstützer von geflüchteten Menschen im Erkennen von und im Umgang mit Traumafolgestörungen zu schulen. In Vorträgen, mit Medienberichten und Ausstellungen versuchen wir unsere Erfahrungen und Eindrücke zur Lebensrealität geflüchteter Menschen in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen und mitzugestalten.

Was ist das Besondere an dem Vorhaben?

Ein spezialisiertes dolmetschergestütztes Therapieangebot für traumatisierte minderjährige Flüchtlinge ist in dieser Form bislang einzigartig im Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Auch bundesweit gibt es sehr wenige spezialisierte therapeutische Angebote dieser Art. Der innovative Charakter hat dem Projekt überregionale Aufmerksamkeit beschert und wird viel beachtet. Die langjährige Erfahrung von Refugio VS und dem Behandlungszentrum für Folteropfer Ulm in der dolmetschergestützten Traumatherapie geflüchteter Menschen, die langjährige Erfahrung der PFL Ulm im Kontext der Jugendhilfe, insbesondere in der Unterstützung von Familien in schweren Krisen, sowie die dort entwickelten Methoden, und darüber hinaus die Möglichkeit der PFL, jederzeit auf den Pool von geschulten Dolmetschern des BFU zurückgreifen zu können - all dies sind die Grundlagen für eine verbesserte Versorgung, für einen guten wechselseitigen fachlichen Austausch, für Anregungen zur Weiterentwicklung. Diesen Prozess haben wir als ausgesprochen bereichernd erlebt – gerade auch mit Blick auf unsere KlientInnen.

Welche Bedeutung hat für Sie die diözesane Förderung?

Durch die Aufnahme in die Strukturförderung erhält die Arbeit eine mittelfristig ausgelegte Planungssicherheit, die in der Arbeit mit geflüchteten Menschen leider sehr selten ist.

PROJEKTORT: 
       Ulm und Villingen-Schwenningen

PROJEKTZIELE:

  • Dolmetschergestützte ambulante psychotherapeutische und psychosoziale Versorgung von traumatisierten Geflüchteten im Diözesangebiet
  • Prävention
  • Mitgestaltung des politisch-gesellschaftlichen Diskurses in Bezug auf die psychotherapeutische und psychosoziale Versorgung von traumatisierten Geflüchteten im Diözesangebiet
  • Multiplikatorenarbeit

ZIELGRUPPEN:

  • Psychisch belastete/traumatisierte Flüchtlingskinder, Jugendliche in Flüchtlingsfamilien und Unbegleitete Minderjährige Ausländer (UMA)
  • Eltern und Bezugspersonen
  • Traumatisierte Heranwachsende (ehemalige UMA über 18 Jahre)
  • Psychisch belastete/traumatisierte Erwachsene mit Fluchterfahrung

PROJEKTTRÄGER:
       Dekanat Ehingen Ulm, Caritas Ulm-Alb-Donau, Rehaverein für soziale Psychiatrie Donau-Alb e.V.,
       Refugio Villingen-Schwenningen e.V.

 

Gynäkologische Sprechstunde für Menschen ohne Krankenversicherung

Um was geht es in der Strukturförderung?

Seit 2015 gibt es in Stuttgart alle zwei Wochen eine gynäkologische Sprechstunde. Neben allgemeinen gynäkologischen Behandlungen, werden seitdem jährlich etwa 40 Schwangere untersucht und begleitet. Der Umfang der Begleitung ist dabei sehr unterschiedlich. Manchmal kommen die Frauen erst kurz vor der Entbindung, andere Frauen werden durch die komplette Dauer der Schwangerschaft hindurch begleitet.

Die Betreuung der schwangeren Frauen findet auf drei Ebenen statt:

1. Medizinische Hilfe

Als einzige Organisation im Raum Stuttgart bieten die Malteser eine medizinische Versorgung für Schwangere ohne Krankenversicherung an. Unabhängig von Herkunft oder Religion werden in der gynäkologischen Sprechstunde der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung (MMM) alle schwangeren Frauen kostenlos behandelt, denn eine ausreichende Vorsorge ist entscheidend für einen problemlosen Schwangerschaftsverlauf. Durch die regelmäßigen Untersuchungen können Komplikationen früh erkannt und ein gesunder Schwangerschaftsverlauf ausschlaggebend unterstützt werden. Die Frauen erhalten durch die regelmäßige Betreuung alle medizinischen Informationen für das Gelingen einer gesunden Schwangerschaft und für die Entbindung.

2. Integration

Die Frauen, die in die gynäkologische Sprechstunde der MMM kommen, sind nicht krankenversichert. Dies impliziert, dass ihre soziale Situation vorbelastet ist. Deshalb wird für jede schwangere Frau eine Beraterin gesucht, welche die soziale Situation der Frau erhebt und versucht die individuellen Problemlagen zu lösen. Dabei gelten die Bemühungen zunächst der Wiedereingliederung der Schwangeren in die Krankenversicherung. Außerdem betrachtet die Beraterin die Situation bezüglich des Kindeswohls und leitet ggfs. die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ein.

3. Netzwerk

Im Raum Stuttgart ist die gynäkologische Sprechstunde für Schwangere ohne Krankenversicherung ein zentraler Baustein im Bereich der Schwangerenbetreuung. Es gibt einen ständigen und innigen Austausch zum Gesundheitsamt sowie mit allen relevanten Beratungsstellen für Schwangere. Durch die enge Zusammenarbeit können alle schwangeren Frauen auch über die Dienste der Malteser hinaus optimal versorgt werden.

Welche Bedeutung hat für Sie die diözesane Förderung?

Dass die gynäkologische Sprechstunde als zusätzliches Projekt zur allgemeinen Sprechstunde der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung angeboten und erfolgreich wirken kann, verdankt sie neben dem ehrenamtlichen Engagement der MMM-Mitarbeiterinnen dem Bischöflichen Ordinariat. Die Projektförderung des Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfen hat es überhaupt erst möglich gemacht, dass die schwangeren Frauen eine eigene Sprechstunde bekommen konnten. Dies ist wichtig, da in der allgemeinen Sprechstunde der MMM hauptsächlich eine kurzfristige Notversorgung stattfindet, die schwangeren Frauen aber über den gesamten Verlauf der Schwangerschaft und damit umfassender begleitet werden. Da alle Untersuchungen kostenlos angeboten werden, sind wir sehr dankbar, dass wir nun im Anschluss an die Projektförderung eine Strukturförderung erhalten dürfen.

PROJEKTORT: 
       Praxis der Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung

PROJEKTZIELE:

  • Medizinische Versorgung von schwangeren Frauen, die keinen Versicherungsschutz besitzen
  • Gewährleistung der Vorsorgeuntersuchung von schwangeren Frauen und der Nachsorge nach der Geburt
  • Erstellung eines Mutterpasses, damit bei der Geburt alle notwendigen medizinischen Daten vorhanden sind
  • Vermittlung in eine Schwangerschaftsberatungsstelle oder ein anderes passendes Beratungsangebot
  • (Wieder-) Eingliederung in das deutsche Sozialsystem
  • Der Schutz des Kindswohles

ZIELGRUPPEN:
       Schwangere Frauen ohne Krankenversicherung und ohne anderen Anspruch auf medizinische Leistungen

PROJEKTTRÄGER:
       Malteser Hilfsdienst e.V. Diözese Rottenburg-Stuttgart

 

ZIFA-Jobcoaching

Um was geht es in der Strukturförderung?

ZIFA-jobcoaching berät und unterstützt Flüchtlinge bei der Berufsorientierung und der Integration ins Erwerbsleben. Dazu wird in einem intensiven Beratungsprozess ein Profiling erstellt, es werden gemeinsam die Fähigkeiten, beruflichen Erfahrungen, Qualifikationen, Stärken, Schwächen und Interessen eruiert. Außerdem bieten wir Unterstützung bei der Erstellung der Bewerbungsunterlagen und bei der Anerkennung der Zeugnisse und Zertifikate. Darüber hinaus erhalten die TeilnehmerInnen am Projekt ZIFA-Jobcoaching in Gruppenveranstaltungen wie Schulungen, Informationsveranstaltungen und Betriebsbesichtigungen Informationen über das Bildungssystem in Deutschland, insbesondere das Duale Ausbildungssystem und die verschiedensten Berufe. Vertieft werden diese Informationen in Hospitationen und Praktika. Dafür arbeiten wir mit verschiedenen Unternehmen zusammen. Neu in der Strukturförderung ist, dass wir uns gezielt Flüchtlingsfrauen zuwenden: In aufsuchender Beratung möchten wir Frauen, die Schwierigkeiten haben, in die Öffentlichkeit zu gehen, über Berufsmöglichkeiten informieren. Dazu gehört auch eine enge Zusammenarbeit mit anderen Frauenprojekten und anderen Trägern der Flüchtlingshilfe. ZIFA arbeitet eng mit anderen arbeitsmarktnahmen Akteuren zusammen und verfügt über ein dichtes Netzwerk, um den TeilnehmerInnen an dem Projekt die bestmögliche Unterstützung bieten zu können.

Was ist das Besondere an dem Vorhaben?

ZIFA-jobcoaching kümmert sich insbesondere um Flüchtlinge, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus, ihrer geringen Deutschkenntnisse, fehlenden Qualifikationen oder wegen besonderer Problemlagen oftmals von anderen Maßnahme-Trägern abgewiesen werden oder die nicht in das Konzept einer schnellen Vermittlung passen. Wir kümmern uns um die, „die ansonsten durchs Netz fallen würden“. Die Betreuung der Ratsuchenden dauert so lange, wie es nötig ist. Außerdem werden die Flüchtlinge nach einer Vermittlung auch noch einige Zeit nachbetreut, um etwaige Probleme im Unternehmen zu bearbeiten.

Welche Bedeutung hat für Sie die diözesane Förderung?

Wir sind sehr glücklich über diese Förderung durch die Diözese. Es bedeutet für uns, dass wir unsere wertvolle Arbeit weiterführen können und Flüchtlingen, die in Deutschland aus verschiedenen Gründen weniger Chancen haben, am Erwerbsleben teilzuhaben, gezielt fördern können. Außerdem haben wir die Chance, insbesondere auch Flüchtlingsfrauen zu fördern.

PROJEKTORT: 
       Suttgart

PROJEKTZIELE:

  • Nachhaltige Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt
  • Bedarfs- und personenbezogene Berufs- und Entscheidungsberatung mit der Perspektive einer nachhaltigen, längerfristigen Berufsplanung
  • Gezielte Ansprache von Flüchtlingsfrauen mit dem Ziel, dass diese sich eine eigene berufliche Perspektive aufbauen

ZIELGRUPPEN:
       Flüchtlinge

PROJEKTTRÄGER:
       Caritasverband für Stuttgart e.V., Bereich Migration und Integration